Radiobeitrag aus der radio SAW-Kirchenredaktion mit Pfarrerin Heide Liebold zum Fasten

hier anhören

Denk-Mal :: Worte zum Palmsonntag von Pfarrerin Heide Liebold

So schnell kann es gehen. Eben noch wird ein Mensch bejubelt, aufs freudigste begrüßt, angehimmelt. Alle wollen ihm nahe sein, mit ihm in die Schlagzeilen und auf die erste Seite der Zeitungen kommen. Ein großer, ein wichtiger Mensch hat viele „Freunde“. Oder sollten wir eher sagen: viele „Mitläufer“? Auch wenn er keine Krone aufhatte, wurde Jesus bei seinem Einzug in die Stadt wie ein König gefeiert. Die Leute strömten zusammen, rissen Zweige von den Bäumen, legten ihre Kleider vor ihm hin. In ihrer Begeisterung legten sie ihm alles, ihr Herz, ihre Hoffnungen zu Füßen. Sie setzten ganz große Stücke auf ihn und waren bereit, in ihm den Retter, den Friedefürst zu sehen. Er würde ihr Leben gut machen und alles Übel besiegen. Ja, darauf hofften die Menschen, dass endlich einer kommt, der ihr Leben zum Guten wendet. Doch dann kam alles ganz anders. So hatten sich die Leute ihren neuen König nicht vorgestellt: Statt die Römer zu vertreiben, lässt er sich widerstandslos gefangen nehmen. Er predigt Gewaltlosigkeit. Er wird verhört und sagt nichts dazu. Er wird verurteilt und wehrt sich nicht. Er lässt sich anspucken und verhöhnen. Er predigt Feindesliebe und landet am Kreuz. Der Palmsonntag ist der Auftakt zur Karwoche. In dieser Woche wird in allen Kirchen unserer Region eingeladen, das Leiden und den Kreuzweg Jesu gemeinsam zu bedenken. „Wo ist Gott?“ so werden wir uns fragen. „Warum ist er ganz anders als wir es uns denken und wünschen?“ Am Ende der Karwoche folgt Ostern. Und dann werden wir vielleicht verstehen: „Gut, dass Gott ganz anders ist! Er bleibt bei dir im Schmerz, er verlässt dich nicht. Er richtet dich auf.“ Ostern, das heißt: Leben statt Tod, Gottes Ja gegen allen Augenschein.

In einer Predigtreihe 2012 sind diese Fragen zum Vater unser entstanden:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Reich – Wenn morgen das Reich anbrechen würde, würdest Du damit klar kommen und wie fühlt es sich an? Dann bist Du es vielleicht, der auch die andere Backe hinhält und aktiv Frieden stiftest.

Kraft – Wie würde es sich anfühlen, wenn Du getragen bist von einer Kraft, die nicht von Dir kommt und die kleinen und großen Herausforderungen bestehst?

Herrlichkeit – Welchen Blick auf Dich selbst hättest Du, wenn Du Dich von der Herrlichkeit umstrahlt wüßtest und Du wie es den Hirten passierte der Weg klar vor Dir siehst?

Ewigkeit – Was löst der Gedanke an Ewigkeit in Dir aus? Kann er Dir Gelassenheit schenken, im Hier und Jetzt zu leben? Denn nicht alles muss heute sich erfüllen.

Amen – Was siehst Du, wenn Du auf Dein Leben schaust? Wozu kannst Du ja und Amen sagen? Wo findest Du einen Anker? 

Wir möchten Sie/Dich ermuntern, ein Experiment zu starten und für 1 Woche so zu leben, als ob das Reich schon angebrochen ist. Achte darauf was passiert, was sich in Deinem Leben ändert!?