Kurzvortrag zum 600jährigen Altarjubiläum des gotischen Schnitzaltars in der St. Johanniskirche zu Wernigerode von Propst i.R. Heinrich Hamel

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Artikel aus der Volksstimme vom 23. Januar 2015 zum 600-jährigen Altarjubiläum

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Vierflügliger Marienaltar

Wertvollstes und bedeutendstes Ausstattungsstück der Kirche ist fraglos der vierflügelige Schnitzaltar im Chorraum. Eine Datierung auf der Rückseite weist auf das Entstehungsjahr 1415 hin. Stilistisch weist der Altar auf eine traditionelle Schulung der Meister in Niedersachsen und auch auf böhmische Einflüsse hin. Schnitzer und Maler stehen sich sehr nahe, was auf eine gemeinsame Werkstatt hindeutet. Renovierungen erfolgten in den Jahren 1676, 1690, im 19.Jahrhundert und zwischen 1978 und 1989. Heute präsentiert er sich in einem ausgezeichneten Zustand. Der Altar ist in einer Festtags- und einer Werktagsseite zu sehen.

Die Werktagsseite des Altars zeigt vier Tafelbilder mit Szenen des Marienlebens: die Geburt Jesu, seine Beschneidung im Tempel, die Anbetung der Könige und den Tod Mariens im Beisein der Apostel sowie ihre Aufnahme im Himmel.

Bei Schließung beider Flügelpaare ist die Verkündungsszene und die Anbetung der Hl. Drei Könige zu sehen.

Im Zentrum der Festtagsseite steht Maria als Himmelskönigin mit dem Jesukind, umgeben von vier musizierenden Engeln und weiteren zwei Engeln, die mit Palmwedeln und langem Finger auf sie hinweisen. Fast schwerelos wirkt das von Maria nur mit den Fingern gestützte Kind, das in der rechten Hand einen Apfel hält und mit der linken das Kopftuch Mariens ergriffen hat. In den seitlich angrenzenden Rahmen stehen vier Statuetten: Katharina und Barbara (oben), Petrus und Johannes der Täufer (unten). Seitlich des Mittelschreines sowie auf den Innenseiten der beiden Flügel findet man rechteckige Felder mit Reliefs. Je vier von Ihnen gruppieren sich zu einer thematischen Reihe.

Den Altar bekrönen Heilige Frauen als Halbfigurenreliefs im wimpergförmigen Aufsätzen. Eingefasst werden sie von zwei schildhaltenden Rittern. Zu sehen sind Barbara mit dem Turm, Maria Magdalena mit dem Salbgefäß, eine königliche Kirchenstifterin, Katharina mit Schwert und Rad, Maria mit dem Jesuskind, Apollonia mit Zange und Zahn, Dorothea mit dem Korb, Ursula mit dem Pfeil und eine letzte Heilige, deren Attribut ein vielleicht ein Mond- oder Sonnengesicht ist, vermutet wird eine Schutzpatronin für Frauen in Kindsnöten.